Samstag, 14. Juli 2012

Freitag der 13te: Du kannst mich mal!

Wer mich als besonnenen und optimistischen Menschen kennt, der hätte mich die letzten beiden Tage nicht wiedererkannt. Ich hoffe natürlich, dass legt sich schnell wieder, denn so wies ist, so kanns nicht bleiben. Aber wer mich kennt, der weiß auch, dass ich nicht aufgebe und wenn mir auch grad Besonnenheit und Optimismus etwas abhanden gekommen sind: Das lass ich mir nicht nehmen. Außerdem geht es ja auch schon wieder bergauf. Nur eben der Start, der hatte es in sich! (Die Bilder mache ich übrigens in einem neuen Post. Mein Internet hier ist sooo schlecht, ich will wenigstens, dass der Text online geht!)

Also Abschiedsschmerz und Flughafen-Gehäule lasse ich hier mal außen vor. Sonst wirds einfach zu lange und außerdem kennt das ja sowieso jeder. Abschiede gehören einfach dazu. Die ersten Anzeichen des Pechs haben sich dann auch gleich am Sicherheitscheck zu bemerken gegeben, als ich nämlich durch den Scanner laufe kommt sooo ein komisches piepsen, dass alle abrupt aufsahen und ich von allen Seiten nur folgendes hörte: 'Oh das ist schlecht!' Und dann sollte ich mitkommen. Aber hätten sie irgendwas gefunden, dann hättet ihr das ja mitbekommen und ich würde hier nicht in Irland rumfluchen.
Gut: erste Hürde überwunden. Zweite Hürde kam dann in Dublin. Als erst mal was positives: Der Flughafen ist wunderschön und es geht alles sooo schnell und koordiniert! Trotzdem stand ich dann erst mal draußen bei den Bussen, die 18-Haltestationen auf dem ganzen Flughafen verteilt hatten und nirgends stand, wo mein Bus abfahren würde. Zum Glück sind die Iren sehr sehr hilfsbereit. Die sind sogar so hilfsbereit, dass man nicht mal fragen muss, die sehen einem an, wenn man Hilfe braucht. Gut, vielleicht liegt das ja an mir. Hätte ich mal nachfragen sollen ;) Der Bus war also gefunden und ein Sitzplatz ergattert. Neben einem dunkelhäutigen jungen Mann, der aussah, als bräuchte er auch gerade seine Ruhe. Mit der Annahme lag ich meilenweit daneben, den schon war ich sofort unter Beschlag genommen und musste 150.000 Fragen beantworten. Wäre ja ganz nett gewesen, wenn ich nicht so tierisch müde und gleichzeitig aufgeregt gewesen wäre. Zudem war ich in dem Moment auch noch ziemlich damit beschäftigt, zu schauen, wo ich überhaupt aussteigen muss. An den Bushaltestellen stehen keine Namen (jedenfalls nicht so, dass man sie vom Bus aus sehen könnte), im Bus werden die Namen nicht angezeigt und durchgesagt auch nicht. Aber ich hatte ja einen redseligen Sitznachbarn und warum den Spieß nicht einfach umdrehen? Tja, er konnte mir leider auch nicht helfen, jedenfalls nicht im ersten Moment. Dann aber hat er mir noch den Tipp gegeben, dass man dem Busfahrer einfach sagen soll, dass man nicht weiß, wo die Haltestelle ist. Dann würden sie in der Regel ne Durchsage machen. Und dann ist er ausgestiegen, mein Sitznachbar, der Menschenrechtler aus Simbabwe, der flüchten musste und hier im Asyl lebt (hat er jedenfalls gesagt). Und er war echt nett, wenn das hier anders rüberkam, dann lag das in dem Moment eher an mir, als an ihm.
Nunja, dadurch dass er mir gesagt hatte, wie seine Haltestelle heißt, konnte ich auf meiner Stadtkarte grob nachschauen wie weit es noch ist. Der Busfahrer könnte es ja vergessen.... was er natürlich nicht getan hat :D aber so bin ich halt. Dann steige ich aus. Mein Kopf wandert zur Orientierung von links nach rechts und schon stoppt der nächste irische Herr "Do you have a problem? May I help you?" Zack und schon wusste ich, wo das Hostel ist. Dort war ja dann zunächst auch alles nett. Der Rezeptionist, die Empfangsebene.... ABER das Zimmer!!! Es konnte definitiv nicht mehr als 6qm haben. Wirklich!! Wär ja auch noch ok, wenn in diese 6qm nicht 2 Hochbetten gequetscht wären und überhaupt, wo waren denn die Safes, von denen auf der Homepage die Rede waren? Total entsetzt sind mir erst mal die Tränen in die Augen geschossen und ich habe als aller erstes den Laptop angeschmissen und Michael im Skype angerufen. Der Arme, wirklich! Für ihn ist es mit Sicherheit auch nicht so leicht, dass ich einfach abhaue und dann hat er mich noch total aufgelöst vorm Bildschirm und kann aus der Ferne kaum was ausrichten. Außer beruhigende Worte und die hat er echt drauf!! Ich hatte dann beschlossen, dass man sich damit arrangieren kann, hatte mittlerweile entdeckt, dass es riesen Schließfächer zu mieten gibt und wollte nur noch eins: Das Meer sehen. Tja, so schwer es mir fällt, das zu sagen: Nicht mal das hab ich geschafft. Jedenfalls nicht aus der Nähe... Die Entfernung war größer, als gedacht und ich musste unbedingt zum Hostel zurück, weil ich ja unterwegs kein Internet hatte und evtl. am Abend noch eine Wohnungsbesichtigung ausstehen würde. 
Naja, hätt ich mir sparen können... der Termin ist heute (am 14.07.) und mit meiner zurückgewonnenen Ruhe und Gelassenheit war es auch vorbei, DENN: Mein Zimmer war nun komplett belegt. Mittags war ich noch alleine und nun soll ich es mir mit 3 Männern teilen? An sich ja kein Problem, aber nicht, wenn sie müffeln wie Sau und noch dazu schnarchen. Davon habe ich nämlich gleich eine Kostprobe bekommen. Zudem war in diesem Zimmer kein Millimeter Platz mehr. So throne ich also erneut heulend auf meinem Hochbett und kann aber nicht skypen, weil ich ja nicht mehr alleine bin. Mir war aber eines klar: Hier bleibe ich keine Nacht und wenn ich unter der Brücke schlafe... Das war in diesem Moment einfach sowas von unvorstellbar für mich, in diesem Zimmer zu bleiben. Also habe ich wie bekloppt im Internet nach ner Alternative gesucht und zwar nach einer Einzelzimmeralterative. Koste es, was es wolle. Gut, das Zimmer im Hilton für 1.500 € natürlich nicht, aber es war fast unmöglich, was anderes zu finden. Plötzlich aber erscheint es: 70 € pro Nacht mit Frühstück, leider nur bis Dienstag, aber egal, das nehm ich. Und Zack, online die Anzahlung gemacht, vom Bett gehüpft, Koffer geschnappt und zur Rezeption gehastet: "Was ist der früheste Zeitpunkt, ab dem ich mein Zimmer stronieren kann? Ich habe direkt eine Wohnung gefunden und brauche das Bett hier nicht mehr" Morgen? Ok, dann bitte den Rest zurück auf meine Kreditkarte überweisen! Und können Sie mir bitte ein Taxi rufen? Vielen Dank!"
20 Minuten später stand ich also im neuen Hotel auf der Matte. Ich hatte keine Ahnung, ob die meine Buchung überhaupt schon erhalten hatten und in dem Moment ziemlich Bammel, ob das überhaupt alles klappt. Herzklopfen ohne Ende, aber unbegründet.
Ich habe sie gefunden, meine persönliche Heldin des Tages. Ich bin überzeugt, dass sie von meiner Buchung noch nichts wusste, aber das war ihr egal. Sie hat mich angeguckt und mir sofort geholfen. Als sie mich dann danach gefragt hat, was alles passiert ist, sind meine Augen zwar wieder feucht geworden, aber wenigstens sind die Tränen nicht mehr gekullert.
Ja, hab ich schon gesagt, dass diese total überstürzte Aktion ein absoluter Glückstreffer war? Ich habe ein tolles Zimmer mit Bad für mich alleine, total liebe Menschen hier und wenn ich nicht gleich eine Wohnung finde, kann ich wochenweise hier ein kleineres Zimmer mieten. Sind zwar immerhin 315 € pro Woche und die Mindestdauer sind 2 Wochen (hab ich von 4 Wochen runtergehandelt), aber so hab ich wenigstens was. 
Der einzige Nachteil ist das schlechte Internet hier. Aber auch das werden wir schon geschaukelt bekommen. 
Sorry auch an alle, die ich im Skype einfach weggedrückt habe (Mama und Jenny), aber es ging da grad einfach nicht.
Heute ging es mir schon viiiiel besser. Ich habe an die 15km zu Fuß zurückgelegt. Auf dem Weg dahin habe ich mir mal meinen zukünftigen Arbeitsplatz angesehen und ich muss sagen: sieht zwar echt aus, wie im Hinterhof gelegen, aber die Gegend ist total schön! 
Danach habe ich gemütlich den tollsten Straßenmusikern der Welt zugehört und war jetzt dann endlich bereit, meinen Blog zu schreiben. Es ging nicht früher. Ich saß schon ein paar mal davor, aber ich war nicht in der Stimmung/Lage/was auch immer. Die nächsten Einträge werden nicht mehr so pessimistisch, versprochen. Aber es war etwas viel die Tage :)


Kommentare:

  1. Mach die Iren fertig! Halt dich vom hostel fern! Das sind jetzt genug Befehle! Rock it! ❤ u

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    1. So, jetzt hab ich endlich mal Zeit, allen zu antworten.
      Befehle nehm ich ja grundsätzlich nicht an :D Aber trotzdem danke!!! :P

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  2. Hey Nadine!
    Es war halt Freitag der 13. Auch wenn der Beginn deines Abenteuers beschei...den war,hast Du schon die Hilfsbereitschaft der Iren kennengelernt und die sind wirklich toll, spreche aus Erfahrung. Nadine Kopf hoch, es kann nur besser werden. Wir drücken Dir, für Morgen ganz feste alle Daumen, bzw. die Pfoten. Sie werden von Dir begeistert sein. Tschacka Du packst das, wäre ja gelacht. Bis denne , die vun drunne.

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    1. 1000 Dank, ihr vun drunne! Und jedes Wort stimmt! Ist alles so eingetreten. Es kann nur besser werden, wenns so schon anfängt. Das stimmt :D

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  3. Ich wünsche dir weiterhin viel Kraft und tolle Erlebnisse. Kann deinen ersten Tag komplett nachvollziehen... DRÜCK DICH!!!! Jule

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    1. :D Ich weiß... Dickes Merci auch an dich!!!

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